Nightly Poem 24-05-10 (Fragwürdiges Begräbnis)

24. Mai 2010 um 12:26 Uhr

Fragwürdiges Begräbnis

Wir tragen zu Grabe die Frage.
Sie machte Sinn,
doch brachte nur Unsinn zu Tage.
Jetzt liegt sie drin

im moorigen Boden der Wahrheit,
wo manch Gewürm
sich nährt an den Leichen der Zagheit.
Erst hieß es: “Stürm

die eisige Festung aus Schweigen.”
Wir stürmten los,
doch flüchteten bald in den feigen
Selbstlügen-Schoß.

Wir graben die Tragik zu Tage,
sie rührt uns nicht,
und trauern scheinheilig der Frage
falsch ins Gesicht.

So tragen zu Grabe die Frage
wir ohne Sinn.
Sie brachte uns alle in Rage.
Jetzt ist sie hin.

Epilog: Ich mag ja Fragen. Fragen sind toll. Die richtig guten verraten uns oft mehr über den anderen als die Antwort über uns selbst erzählt, und die richtig richtig guten zwingen uns dazu, uns selbst und unser Weltbild in Frage zu stellen, neu zu betrachten und zu bewerten.

Fragen sind aber, wie die meisten Dinge, ein zweischneidiges Schwert, und dort, wo die Klinge richtig scharf wird, ein gefährliches Werkzeug. Es gibt Fragen, die wir uns nicht stellen. Aus gutem Grund, oftmals, weil wir (noch) nicht fähig sind, die Antwort zu ertragen. Weil sie unser Weltbild nicht nur in Frage stellen, sondern bis auf die Grundfeste einreißen.

Ich bin ja jemand, der lieber Fragen stellt als Antworten zu geben, wenn jemand mich um Rat bittet. Zum einen, weil ich des anderen Antworten nicht kenne, nur er selbst. Zum anderen, weil selbst, wenn ich ihm seine Antwort geben könnte, er sie erst begreifen kann, wenn er selbst drauf kommt. Eine ausgesprochen effektive Technik, aber keine einfache. Weil die sinnvollen Fragen nicht immer die richtigen sind, Weil es Fragen gibt, die nicht laut ausgesprochen werden wollen, egal, wie groß und schreiend sie im Raum stehen. Weil es manchmal darum geht, den anderen nicht direkt zu seinen Antworten, sondern zuerst zu seinen Fragen zu führen. Ein Tanz im schlangenverseuchten Minenfeld, manchmal.

Ich mag Fragen, Gerade weil sie manchmal gefährlicher und nachhaltiger sind als Antworten. Weil die richtigen Fragen in der Lage sind, die Welt in Schutt und Asche zu legen. Und weil es Menschen braucht, die anders als ich diese Fragen stellen, ohne Rücksicht auf Verluste. Weil gerade diese Fragen an mich in meinem Leben viel gutes bewirkt haben, und immer noch bewirken.

Weil ich mir in jungen Jahren einmal den Sinn des Lebens so definiert habe: “Der Sinn des Lebens ist die Suche nach der Antwort auf eine Frage, die wir nicht kennen.”

Und weil ich nicht müde werde, diese Frage zu suchen.

May the Night bless You

Der NachtPoet
Stefan Brinkmann

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Nightly Poem 17-05-2010 (Nackt, Nackte Tatsache)

17. Mai 2010 um 16:55 Uhr

Nackt

Nackt bis auf die Seele stehe ich vor Dir.
Deinem Blick entgeht nichts.

Langsam gleitet er über meine Problemzonen,
bohrt sich genüsslich in meine offenen Schwächen,
reibt sich an meiner Pfirsichhautangst,
umkreist meine pickligen Eiltelkeiten
und endet am Ansatz meiner ausfallenden Träume.

Du schweigst
für einen Wimpernschlag,
lächelst dann,
beugst Dich zu mir und flüsterst:
“Ich mag Dich. Du bist schön…”

Und ich nehme Dich erleichtert in die Arme,
drücke Dich an mein schrumpliges, kleines Herz und
danke im stillen Gott dafür,
dass Liebe blind macht.

 

Nackte Tatsache

Manche Menschen sind nackt
schöner als bedeckt.

Manche tragen Masken,
weil sie den eigenen Anblick nicht ertragen.

Auf überraschend viele
trifft beides zu.
 

 

Epilog: Es begann auf einem Buchhaltungsseminar. Mit einem kleinen Tippfehler auf der Teilnehmerliste. stefan@nacktpoet.de war da zu lesen. “Hey, das bin ja ich!” sprach der NacktPoet unter all meinen NachtPoet-Verhüllungen. “Wie kommt es eigentlich, dass ich noch keine eigene Domain habe?”

“Gute Frage”, sagte ich mir, sicherte mir die Domain www.nacktpoet.de und bastelte eine kleine Seite, mit eigenem NacktPoet-Logo, sammelte ein paar Gedichte und Projekte, die irgendwie zum NacktPoeten passen, und schrieb bei der Gelegenheit auch noch die beiden heutigen Nackt-Gedichte.

Nackt sein… eigentlich das natürlichste der Welt. Der Mensch dürfte so ziemlich das einzige Lebewesen sein, welches überhaupt Nackt als Konzept versteht. Mit Hingabe verhüllen wir uns Schicht um Schicht, kleiden uns mit fremden Federn, sozusagen, und lassen in der Regel die Hüllen nur in den intimsten Momenten fallen. Ja, Kleidung ist uns natürlicher als nackte Haut.

Auf der anderen Seite betreiben wir geradezu offensive Bloßlegung mit nackter Haut und Seelenstriptease in allem, was um Aufmerksamkeit hascht. Gerade in den mittaglichen Fernsehsendungen ist ‘nackt’ ein Volkssport, sei es der blanke Busen in der Schönheits-OP für 16-jährige oder Casting-Striptease der delikatesten privaten Intimzonen. Oder beides in Kombination, wenn das Aufblitzen des Busen einer Lena-Meyer Landrut aus früheren Doku-Soap-Sünden medienweit Aufmerksamkeit erhascht.

Für den NacktPoeten in mir ist das faszinierenste, wie unsicher die Menschen werden, wenn sie sich nackt fühlen. Wenn ihre fein säuberlich genähten Verhüllungen, ihr sorgsam gestyltes Außen-Bild, durch meine Werke Risse bekommt. Wenn ich mehr in ihnen sehe als das Wenige, was sie von sich aus zeigen. Für ihn ist der Blick auf die Menschen manchmal wie durch einer dieser Röntgenbrillen, die früher in Comics auf den Werbeseiten angepriesen wurden, nur das seine funktioniert, und sie statt nackte Haut vielmehr die nackte Seele zeigt. Er denkt sich nichts dabei, schließlich sind wir alle nackt, unter dem Mantel und ein paar weiteren unwesentlichen Kleidungsstücken. Und im großen und ganzen gar nicht so verschieden…

Der NachtPoet hingegen weiß um die verletzlichkeit des Nackt-Seins. Er setzt die Röntgenbrille ab, lässt die Menschen sein, was sie sein möchten (was sie im allgemeinen ungemein beruhigt) und behält das, was der NacktPoet weiß, unter dem Mantel der Verschwiegenheit. Nur in den Gedichten und Geschichten, die beide zusammen schreiben, blitzt manchmal ein wenig mehr Haut durch, als man so zeigt.

Kleine Anmerkung am Rande: Wer dem NachtPoeten (oder NacktPoeten) schon immer mal was fragen wollte, sich aber bisher nicht getraut hat, kann das jetzt einfach und anonym unter diesem Link tun:

http://www.formspring.me/NachtPoet

…und damit der NachtPoet nicht neidisch wird auf den NacktPoeten, hat er auch ein Update auf seiner Seite bekommen: Alle Gedichte 2009 sind ab sofort Online und zur Bewertung freigegeben:

http://gedichte.nachtpoet.de

 

May the Night bless You

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Nightly Poem 24-04-10 (Der Aufreißer, Du solltest mich nicht lieben)

24. April 2010 um 13:12 Uhr

Prolog: Ich lebe noch 8^) Ich weiß, das letzte Nightly ist eine Ewigkeit her… was nicht bedeutet, dass ich die Lust an den Nightlys verloren hätte. Ganz im Gegenteil. Nur, ich merke immer mehr, dass ich wirklich Zeit und Muße brauche, um ein Nightly zu schreiben. Über die Jahre habe ich schon so viele geschrieben, über so vieles… und es widerstrebt mir, ein neues zu verfassen, wenn ich nichts neues zu sagen habe. Dazu kommt, dass sich in meiner Welt jenseits des Schreibens zur Zeit viel tut, was meine Aufmerksamkeit fesselt.

Ist schon seltsam, wenn ich bedenke, dass ich am Anfang wirklich täglich (oder, besser, nächtlich) ein neues Nightly schrieb, und es mir jetzt schon schwer fällt, jeden Monat ein neues zu verfassen…

Abern, nun, ich bin wieder da (und war nie wirklich weg), hab auch ein paar Ideen und Projekte in der Pipeline (u.a. das dritte Gedichtebuch, “Traumspiegel”, welches ich hoffentlich zum Ende des Jahres verwirklichen kann)…

… bei der Gelegenheit: Ich spiele mit dem Gedanken, ein paar der E-Cards als tatsächliche Postkarten aufzulegen. Was haltet ihr von der Idee? Wer hätte daran interesse, und welche E-Cards wären dafür die Favoriten? Mailt mir an stefan@nachtpoet.de 8^)

Genug des vorgeschwafels, auf zum eigentlichen Nightly:


Der Aufreißer

Du hast mir geglaubt,
ich hab Dich beraubt,
Dein Herz gestohlen,
ganz unverhohlen.

Es war viel zu leicht,
es hat schon gereicht,
Dich sanft zu berühren;
Dein Leid zu erspüren,
Dir Hoffnung zu machen
und mit Dir zu lachen.

Warum ich es tat?
Das Leben ist hart.
Solch kleine Triumpfe,
sie helfen, die stumpfe
Gewissheit des Lebens,
des Kämpfen und Strebens
ein wenig zu dämpfen.
Halt, Spielen statt Kämpfen.

Warum es Dich traf?
Du warst halt zu brav.

Es war Deine Unschuld, die mich an Dir reizte,
Du warst so naiv, so wahrhaft und rein,
und als Dir die Lust Deine Schenkel aufsprengte;
da drangen durch mich auch die Sünden mit ein.

Keine darf sein
so wie Du. Denn bei Dir
kann ich nicht bestehen…
… und was wird dann aus mir?


Du solltest mich nicht mehr lieben

Du solltest mich nicht mehr lieben.
Ich habe Dein kleines, feines Herz
zwischen Schuld und Sühne zerrieben,
Dich in den Wahnsinn getrieben.
Du solltest mich nicht mehr lieben,
doch Du tust, als wäre das alles ein Scherz.

Ich will Deine Ehrerbietung nicht,
bin nur ein kleiner, gemeiner Wicht
der mit Deinem Liebesstrang Seilhüpfen spielt
und nur auf sein eigenes Wohl abzielt.

Du solltest mich nicht mehr lieben.
Sie doch, ich bin durchtrieben.
Ich tu Dir nur weh!
Was ich nicht versteh…
Wie kannst Du mich trotzdem lieben?

 


Epilog: Es war spät in der Nacht, als mein klingelndes Telefon mich von Schimmel, meinem Klavier, weglockte. Sehr zu seinem Missfallen, hatte ich ihn doch in letzter Zeit eh schon sträflich vernachlässigt, und er war drauf und dran, seinem Ärger klimpernd Luft zu machen, als er das unartikulierte Schluchzen aus dem Telefon vernahm. Still lauschte er, wie das Leid am anderen Ende sich am anderen Ende mit aller Gewalt seinen Weg bahnte, ohne Worte, nur in Lauten, schrill, fast animalisch. Eine Sprache, die Schimmel besser verstand als jeder Mensch. Die Melodie des Schmerzes.

Nach einer kleinen Ewigkeit beruhigte sich die hysterische Stimme weit genug, um auch mir ihre Geschichte verständlich zu machen. Ich kannte sie schon. Es war eine Wiederholung des gleichen Dramas, seit Monaten nun. Stetig heftiger, schlimmer, unaufhaltsam raste es ins Verderben. Und nichts, nichts was ich sagte, oder tat, konnte es ausbremsen, oder umkehren. Sie liebte, mit all ihrer verbliebenen Kraft, verzweifelt, verbissen, liebte ihn, egal, was er ihr antat. Nicht physisch, noch nicht, er trat ‘nur’ ihre Seele mit Füßen, spielte grausam mit ihrem Herzen, um sich selbst über sie zu erheben.

Nachdem sie auflegte, blieben Schimmel und ich eine Weile in der Stille und Hilflosigkeit zurück.

Es war Schimmel, der schließlich das Schweigen durchbrach.

“Warum?” fragte er leise.

Ich schüttelte den Kopf. “Weil manchmal der Wunsch jede Wahrheit überdeckt.”

“Nicht sie,” sagte Schimmel. “Er.”

Ich spielte ein paar nachdenkliche Akkorde.

“Du weißt, wie es ist, wenn ich Dich spiele, und dabei in Dich hinein höre, und Dich aufnehme in die Musik, und es dann ist, als ob Du mich spielst?”

Schimmel spielte eine kleine, feine Harmonie.

“Wenn das passiert”, sagte ich, “dann bin ich stolz. Auf das, was entsteht, durch uns, aus Dir und aus mir. Aber es gibt andere, die spielen nur, um sich selbst zu erheben. Ihnen ist das Instrument egal. So lange sein Klang nur sie selbst erstrahlen lässt. Und wenn sie es dafür in Flammen setzen müssten, dann sei es so. Das Instrument ist dabei nicht mehr als ein Werkzeug, um sich selbst zu produzieren. Ja, der Gedanke, durch das Instrument gespielt zu werden, ist für diese Menschen ein Graus. Denn es würde das Instrument ja in gewisser Weise über sie selbst erheben. Und nichts, nichts darf über ihnen stehen.”

“Das,” sagte Schimmel, “das würde ich nie, niemals mit mir machen lassen.”

“Bist Du Dir da sicher?” fragte ich, ein wenig bitter.

“Ganz sicher!” sagte Schimmel.

“Auch auf die Gefahr hin, dass Dich dann niemand spielt? Niemals?”

Und Schimmel schwieg.

May the Night bless You

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Nightly Poem 04-01-10 (Kalender Special 2 + Ein Lächeln)

4. Januar 2010 um 13:39 Uhr

Prolog: Erstmal ein paar Updates zum NP-Kalender 2010.

  • Durch die überraschend hohe Nachfrage haben wir uns entschlossen, die Auflage von den geplanten 100 Stück auf 250 Stück hochzusetzen.
  • Leider dauert der Druck etwas länger als geplant. Wir erwarten die fertigen Kalender mitte nächster Woche und verschicken sie dann sofort an alle, die bis dahin bestellt haben.
  • …was konsequenterweise bedeutet, dass alle, die noch nicht haben, aber noch wollen, weiterhin bestellen können.
  • Da ich die Kalender persönlich vom Drucker abhole, ist es kein Problem, sie zu signieren. Wer das möchte, möge mir eine kurze Mail an stefan@nachtpoet.de schicken und mir darin sagen, für wen ich den/die bestellten Kalender signieren soll.

Vorschau und Bestellformular weiterhin unter
http://www.nachtpoet.de/kalender_2010.html

Bestellungen können auch direkt an stefan@nachtpoet.de geschickt werden.

An jene, die schon bestellt haben: Danke, danke, danke, es freut mich wahnsinnig, dass der Kalender so großen Anklang findet. Sorgt Euch nicht, dass ihr noch keine Bestellbestätigung bekommen habt, die kommt die nächsten Tage. Zur Bezahlung: Dem Kalender liegt eine Rechnung bei mit den Bankdaten, den Betrag nach Erhalt dann bitte gleich überweisen.

Oh, und es gibt noch ein Bild/Gedicht mehr im Kalender als angekündigt. Auf der Impressum-Seite, sozusagen, und das sieht so aus:

Gedicht "Ein Lächeln" (http://www.nachtpoet.com/ecards/index.php?cmd=ecard&card=494)

Epilog: Tja, was soll ich dazu sagen? Ich meine, Du kennst das, geschätzter ZuLeser, oder, dieses Lächeln, dass die Sonne aufgehen lässt? Das jeden Tag und jede Nacht licht macht, und lebendig, und die Farben so viel intensiver strahlen lässt. Aber, wie machen die das? Es ist doch nur ein Zucken der Mundwinkel, mehr nich, möchte man meinen. Nicht mehr.

Nicht mehr? Doch. Es ist die Freude, die dahinter steht. Die Freude des einen, dem wir nichts anderes wünschen als genau das. Freude, ehrliche Freude, Licht in seinem Herzen. Und dieses Licht ist es doch, das da aus dessen Lächeln, Augen, Gesten strahlt. Ein Licht, das, mit etwas Glück, seinen Ursprung in uns fand, und von diesem Menschen aufgefangen wurde, und verstärkt, und auf uns zurück geworfen.

Was soll ich dazu sagen? Es ist kein Geheimnis. Ein kleines Wunder, vielleicht. Nur eines bedenke bei all dem: Auch Du kannst dieses Wunder sein, für den anderen, wenn Du lächelst. Es ist nicht viel, nur ein kleines Zucken der Mundwinkel. Und doch so viel mehr.

May the Night bless You

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Nightly Poem Special – NP Kalender 2010 + Gedicht “Strahlend

26. Dezember 2009 um 00:00 Uhr

Prolog: Eigentlich war das nicht geplant. Ein NP-Kalender für 2010. Zeit, Kosten, viel zu viele andere wichtige Projekte. Aber, ach, ich hatte nicht damit gerechnet, wie viele auch 2010 nicht ohne einen NP-Kalender verbringen wollten, und nachhakten, ob es nicht doch einen gäbe, ach bitte, es wäre so schön…

In einem Anfall von Bastelllaune setzte ich mich also hin und stöberte durch die Gedichte und E-Cards von 2009, und fand auf Anhieb genug Kandidaten, um einen neuen Kalender zu füllen. Und ehe ich mich versah, war ich mitten drin im Kalender erstellen. In erster Linie für einen mir sehr nahen Menschen als Geburtstagsgeschenk. Und für meine Eltern zu Weihnachten..

Meine Mutter, die ja bisher die NP-Kalender immer als Geschenk für treue Kunden des ABST-Instituts und nahe Freunde drucken ließ, war so angetan, dass sie nun auch diesen Kalender noch in einer kleinen feinen Auflage drucken lassen will.

Er war also nicht geplant, aber jetzt gibt es ihn doch:

Der NP-Kalender 2010

17 Gedichte mit 13 Bildern / Zeichnungen diverser Fotografen/Künstler, zusammengestellt aus den beliebtesten E-Cards 2009 und 5 neuen Motiven. Der Rote Faden ist diesmal Liebe/Zweisamkeit, das ganze im Layout-Stil des NP-Kalenders 2009.

Preis: €12,90 + €1 Versand innerhalb Deutschland/Österreich

Nachdem der Druck jetzt erst beschlossene Sache ist, wird der Kalender vermutlich am 4. Januar versendet. Da die Auflage diesmal wirklich sehr knapp bemessen sein wird, sollte jeder, der einen haben will, bis spätestens 28. Dezember seine Exemplare bestellen.

Hier findet ihr eine Vorschau und auch gleich ein Bestellformular:

http://www.nachtpoet.de/kalender_2010.html

Wer mag, kann auch per Mail an mich bestellen: stefan@nachtpoet.de
…vor allem dann, wenn jemand noch spezielle Wünsche wie persönliche Signatur o.ä. hat (kann den Versand um ein paar Tage verzögern).

…und hier die Titelseite, als kleine Einstimmung, mit dem heutigen Nightly-Gedicht:

Epilog: Es gibt diese Menschen, die haben ein Strahlen, dass schwer in Worte zu fassen sind. Es sind nicht zwingend die fröhlichsten Menschen, oder die schönsten, nicht immer die aufregensten oder exotischsten. Was sie jedoch vernbindet, zumindest für mich, ist Tiefe.

Oftmals eine dunkle, unergründliche Tiefe, die jeden, der in sie eintaucht, blind umhertapsen lässt. Manche füllen das, was sie nicht sehen können, mit Bildern aus, die ihnen vertraut sind, oder nach denen sie sich sehnen, und für jede werden die strahlenden Menschen zu Spiegeln ihrer Seele.

Andere verweilen länger, bis sich die Augen an das Dunkel gewöhnt haben, und sie sehen, mit etwas Glück, den wahren Ursprung des Strahlens. Kleine Lichtblicke, die in dem tiefen Dunkel funkeln, wie Sterne.

Manche davon sind wie Diamanten, gepresst aus kleinen Teilen der Dunkelheit unter jahrzehntelangem Druck. Sie fangen jedes Licht ein, dass auf sie geworfen wird, erwachen zum Leben und werfen es tausendfach verstärkt und gebrochen zurück.

Andere sind wie Nadellöcher am Firmament, durch welche die Sonne ihrer Herzen strahlt, so hell und gleißend, dass sie ohne das Dunkel jeden blenden würde.

Nur wer das Dunkel kennt, kann verstehen, was Licht ist. Nur wer das Dunkel in sich trägt, kann wahrhaftig strahlen.

May the Night bless You

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Blickwinkel: Der Niedergang der SPD

28. September 2009 um 13:13 Uhr

Guten Morgen Deutschland! Die Tigerenten-Koalition aus CDU/CSU und FDP regiert für die nächsten 4 Jahre. Überraschend? Nicht wirklich. Gut oder schlecht? Bleibt abzuwarten. Wahlbeteiligung? Sinkend.  Absturz der SPD? Dramatisch. Aber, wie kam es dazu?

Man werde nach den Ursachen forschen, hieß es gestern aus der SPD. Nun, ich bin wahrlich kein Politik-Experte, nur ein interessierter und aufmerksamer Bürger und Wähler. Aber für mich ist das eigentlich recht offensichtlich.

n. Schr.: Die letzte Hochzeit der SPD war letztendlich auch der Beginn ihres Niedergangs. Die Ära Schröder. Ein charismatischer Politiker, der gefühlt auch von der CDU hätte sein können. Und die SPD deutlich mehr in die Mitte rückte. Sehr zum Unmut der ‘wahren’ linken wie Oskar Lafontaine. Dazu kamen unbequeme Reformen, wie die Agenda 2010 und Hartz 4, die den traditionell linken Flügel verprellten.

Nach Schröder hatte die SPD zwei entscheidende Probleme. Zum einen das abgeriebene Profil, Folge des Rucks in Richtung Mitte und vielleicht der Erkenntnis, dass eine rein soziale Politik nicht praktikabel ist. Und das fehlen eines Thronfolgers. Schröders dominante Persönlichkeit hatte niemand anderes neben sich hoch kommen lassen, mit dem das Volk sich hätte identifizieren wollen. Und so folgten…

Die Chaos-Jahre: Große Koalition, als ‘kleiner’ Partner. Denkbar schlechte Ausgangsposition, um das verlorene Profil wieder aufzubauen. Dazu im Anlauf gleich mal der Verschleiß diverser Parteispitzen. Während die SPD versuchte, sich wieder zu finden, hatte die CDU mit Merkel eine unaufdringliche, aber stets präsente Persönlichkeit, die es wunderbar verstand, die gemeinsame Politik als ihre zu verkaufen. Die CDU rutschte gefühlt ein wenig nach links, der Platz für die SPD wurde immer enger. Zurück nach Links wäre der logische Schritt, aber da waren ja schon…

Die Linken: Letztendlich eine direkte Konsequenz aus den Schröder-Jahren und dem Rechts-Ruck der SPD. Ganz links entstand ein Vakuum, und mit Lafontaine fand sich im Tandem mit Gysi die ‘perfekte’ Besetzung für die nun offene Position. Eine Katastrophe für die SPD. Auf einmal saß der Teufel nicht mehr rechts (denn mit denen war man ja in einer Koalition und an der Regierung), sondern LINKS. Und die SPD reagierte denkbar schlecht. Die erste Reaktion, die Linken als Eintagsfliege abzutun, war eine maßlose Unterschätzung des frei gewordenen Potentials in der linken Ecke. Das Verteufeln danach sperrte die SPD auf dem dünnen streifen “Mitte-bisschen-Links” ein. Die Linke sammelte indes fröhlich die nun auch noch  durch “Rente mit 67″ von der  SPD verprellten Wähler ein, etablierte sich als Protest-Partei und freute sich scheinbar diebisch darüber, die ach so etablierte Parteien-Landschaft durcheinander zu wirbeln. Das 5 Parteien System ward geboren. Und während die CDU im rechten Lager nur mit der FDP ‘konkurrierte’, musste sich die SPD nun ihre linke Wählerschaft mit Grünen UND den Linken teilen. Eine linke Mehrheit aus nur der SPD und den Grünen wurde immer schwieriger, um so stärker die Linken wurden, und das führte direkt in…

Das Glaubwürdigkeits-Problem: Stichwort Ypsilanti. Vor der Wahl: Nie mit den Linken. Nach der Wahl: An die Macht, egal wie, und wenn es nur mit Hilfe der Linken geht, dann muss es halt so sein. Die erste Bewährungsprobe in der Konfrontation mit der Linken gerät zum Disaster. Wie ein kopfloses Huhn zuckt die SPD mal hier, mal dahin, gefangen zwischen der Realität und der Ideologie. Und dem Wähler wird klar, was die SPD noch nicht sehen will: Eine linke Regierung ohne die Linken wird auf Dauer nicht mehr möglich sein. Eine Katastrophe. Jene, die für Die Linke sind, wählen Die Linke. Jene, die gegen die Linke sind, können nicht mehr ruhigen Gewissens die SPD wählen.

Der Wahlkampf: Was macht man also, wenn man sieht, dass die einzige realistische Chance auf 4 weitere Jahre in der Regierung die Große Koalition ist? Wie führt man Wahlkampf gegen den zukünftigen Partner? Am besten gar nicht. Was bleibt? Die eigene Bedeutung in den letzten 4 Jahren betonen? Die war nur viel zu wenig zu spüren, wenn überhaupt, und Merkel hat es ja wunderbar verstanden, die Konzepte der SPD als ihre eigenen zu assimilieren. Gegen die FDP zu Felde ziehen? Kein guter Plan, wer gegen die kleinen kämpfen will, muss sich auf ihre Ebene hinab begeben, statt souverän als einer der Großen aufzutreten. Auf Die Linke einzuschlagen macht die auch nur stärker. Einen wirklichen Wandel propagieren geht auch nur, wenn man eine Alternative zur CDU im Angebot hätte, und da Die Linke tabu ist, führt da kein realistischer Weg hin, während die CDU mit der FDP eine realistische alternative im Angebot hat. Und so stand die SPD irgendwo im Nirgendwo, verzweifelt bemüht, sich in die große Koalition zu retten. Ein wahrlich verlorener Posten, auf dem sie da kämpfen musste und doch nicht wirklich kämpfen konnte.

Die Zukunft: Letztendlich ist die Opposition die einzige Chance für die SPD, wieder ein eigenes Profil zu finden. 4 weitere Jahre Regierung hätten sie am Ende nur noch mehr geschwächt. Jetzt hat sie die Möglichkeit, sich wieder neu gegen die CDU zu positionieren. Sie hat jetzt 4 Jahre Zeit, sich neu zu definieren. Und vielleicht irgendwie ihren Frieden mit den Linken zu machen. Denn große Koalition als einzige Regierungsoption ist auf Dauer keine Lösung für die SPD, und ohne die Linke ist in absehbarer Zeit keine Alternative möglich.

Wie gesagt, das alles ist nur der Eindruck, der bei mir als durchschnittlich politisch interessiertem Bürger angekommen ist. Ich wünsche der SPD alles nur erdenklich gute, und möge sie einen praktikablen Weg in die Zukunft finden. Bis dahin, möge die Tigerente einen guten Job machen.

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Nightly Poem 05-09-09 (Altern)

5. September 2009 um 11:48 Uhr

Prolog: Zum Einstand meiner Wertungssterne für die E-Cards und Gedichte hab ich mir gedacht, ich nehm das erste Gedicht, das 10 Sterne bekommt und noch keine E-Card hat, und bastle ihm eine. And the Winner is…. “Wenn Du nicht zu mir kommst“.

(Und wer noch nicht hat und noch mag, die Umfrage ist weiterhin offen)

…und ich hab eine kleine Künstler-Seite auf FaceBook eingerichtet. Wer Fan werden mag, kann das hier: http://www.facebook.com/pages/Der-NachtPoet-Stefan-Brinkmann/138319920632

So, und jetzt hätte ich ein ersthaftes Themea, das ich gerne ansprechen möchte. Bleib bitte bei mir, geschätzter ZuLeser, denn es ist mir wichtig.

Hab in der letzten Zeit mal wieder meine streunenden Gedichte im Netz gejagt (sprich, Gedichte von mir, die auf Webseiten / In Foren / ect. ohne meine Erlaubnis und OHNE NENNUNG DES URHEBERS (also meiner Wenigkeit) veröffentlich wurden). War kein Spaß. Geht in die Hunderte. Die ich anschreiben muss, um eine entsprechende Kennzeichnung oder Löschung zu erreichen. Was immense Zeit kostet.

Ich glaube ja nicht, dass meine Nightly-ZuLeser so gedankenlos sind, aber zur SIcherheit nochmal zur Erinnerung:

Wenn ihr meine Gedichte/Geschichten (oder die eines anderen) auf Eure Seite / in ein Forum ect. setzen wollt, bedenkt folgendes.

a) Ihr braucht GRUNDSÄTZLICH die Erlaubnis des Urhebers.
Ich selbst  sehe das nicht so eng, wenn ich ordentlich als Urheber gekennzeichnet bin und ein Link auf meine Homepage dabei ist, z.B.:

(c) “Der NachtPoet”
Stefan Brinkmann
www.nachtpoet.de

…aber Fragen kostet nur eine kurze Mail an stefan@nachtpoet.de, die ich in der Regel schnell und positiv beantworte.

b) Niemals, Never, Ever, ein Gedicht ohne Urheber online stellen.

Sowas kann schnell zu einer Abmahnung eines Anwalts führen, an Euch oder das Forum, auf dem das Gedicht gepostet wurde. Und das ist teuer. Wenn ihr nicht wisst, von wem ein Gedicht ist, dann reicht es in der Regel, eine Zeile daraus in Google und in “” einzugeben, um den Ursprung zu finden. Wenn ihr ihn nicht ermitteln könnt: Verzichtet auf das Gedicht.

Solltet ihr in den Weiten des Netzes über eines meiner Werke stolpern, dass nicht als meines gekennzeichnet ist, dann schickt mir bitte eine Mail an stefan@nachtpoet.de. Keine Angst, ich verklage keinen. Aber ich muss hinterher sein, dass meine Werke nicht unkontrolliert im Netz herum streunen.

So, nachdem ich das von der Seele habe, auf zum Gedicht:

Altern

Bleib bei mir.
Ich hab Angst zu gehen,
Angst zu fallen,
Angst vor dem Licht.

Lies mir vor.
Ich bin zu alt,
hab den Anfang vergessen
und warte aufs Ende.

Geh‘n wir ein Stück.
Will nicht verweilen,
sitz doch schon viel
zu lange hier fest.

Bis Morgen, vielleicht.
Dann sehen wir weiter,
nur, kauf keine
grünen Bananen mehr.

Ich mag Bananen.
Wär schade drum,
denn bis die gelb sind,
bin ich schon verdorben.

Epilog:

Auf meiner allwöchentlichen Fahrt nach Österreich Bayern2 gehört. Ein Bericht über Ü100-Jährige. Die meisten Aussagen in diesem Gedicht basieren tatsächlich auf Zitaten aus diesem Bericht. Die 102-Jährige, die den Reporter bat, bei ihr zu bleiben, weil sie Angst hat, allein zu gehen, sie könnte sonst fallen. Und auf die Frage nach einer Ü120-Jährigen aus Frankreich in etwa sagte: “Das ist doch viel zu alt. Die hat doch den Anfang schon wieder vergessen.” Oder der Bericht über einen Ü100, der seine Finanzen noch selbst verwaltete, und auf die Anfrage eines Finanzberaters, der ihm einen 10-Jahres-Plan verkaufen wollte, in etwa so reagierte: “Ja, sind sie denn verrückt? Ich kauf ja nicht mal mehr grüne Bananen!”

Das ganze war von diesen an Jahren überreichen Damen und Herren weit humorvoller rüber gebracht, als es das Gedicht präsentiert. Die Färbung verdankt es dann auch meiner Zivi-Zeit im Heim für Blinde Frauen, ein Alten- und Pflegeheim. Es war zutiefst erschreckend, wie viele dort letztendlich nur auf den Besuch von Gevatter Tod warteten, ja, ihn herbeisehnten wie die viel zu seltenen Besuche ihrer Kinder.

Ich könnte jetzt noch ein wenig darüber philosophieren, wie das Alter einen mürbe machen kann, und wie wichtig Ziele sind, und Humor, und das Leben zu schätzen, egal in welcher Etappe… aber einen Tag, nachdem ich das Gedicht verfasst habe, bin ich der Anderen Seite begegnet. Einem kleinen Leben, dass dem Tod viel zu früh entgegen treten musste. Und ich finde, dieser Kontrast ist vielleicht viel besser, um das alles zu verdeutlichen. Es ist eine traurige (und wahre) kleine Geschichte, und ihr findet sie hier:

Das Kätzchen, das nicht ging
http://www.nachtpoet.com/blog/?p=282

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Das Kätzchen, dass nicht ging

31. August 2009 um 10:01 Uhr

Es ging einfach nicht weg.

Nur kurz, als der Müllwagen kam, und das Auto unserer Assistentin. Und dann auch erst im letzten Moment, und keiner sah genau, wie.

Scheinbar ungerührt lag es auf der Straße, auch, als Harry, unser weißer Schäferhund es minutenlang vom Balkon verbellte.

Ein kleines, schwarzweißes Kätzchen, vielleicht zwei Monate alt. Wohl eins der Kinder einer Streunerin aus der Nachbarschaft.

Wie es so da lag in der Sonne, auf der kleinen Straße zu unserem Haus in Österreich, dachten wir uns noch nicht viel. Wir wunderten uns, ein wenig. Dass die Mutter nirgends zu sehen war. Und dass das Kätzchen so seelenruhig einfach da lag und sich von nichts verschrecken ließ.

Dass es einfach nicht weg ging.

Auch nicht, als ich mit Harry seine morgendliche Runde drehen wollte, und der, kaum war die Tür offen, wie ein Blitz auf das kleine Ding zuschoss. Und es packte.

Ich schrie, Harry ließ sofort los, das Kätzchen fauchte und zog sich hinter die Leitplanke. Nur mit den Vorderbeinen. Die hinteren zog es nach.

Ich hinterher, im Kopf nur einen Gedanken: Oh Gott, lass unseren Hund kein Kätzchen auf dem Gewissen haben.

Da lag es, hinter der Leitplanke, auf dem Rücken, fauchend und um sich schlagend mit den kleinen Vorderpranken und beeindruckend langen Krallen. Ich wusste zuerst nicht, wie ich jetzt an sie ran kommen soll, bevor es am Ende noch außer Reichweite und Sicht den Hang hinunter kullerte. Ohne ihm am Ende noch mehr weh zu tun, oder zu verschlimmern, was immer Harry angerichtet haben mochte. Hinter mir, meine Eltern, irgendwelche Anweisungen rufend, die alle auf eins hinausliefen: Pack sie dir! Auf meinem Kopf, mein allgegenwärtiger Begleiter, der schwarze Filzhut. Und auch hier ein mehr als praktisches Utensil, mit dem es mir dann doch gelang, das kleine Wesen möglichst sanft einzufangen.

Da lag es in meinem Hut, fauchte mich an, versuchte rauszukommen. Ich redete beruhigend auf es ein, streichelte vorsichtig seinen Nacken. Handelte mir einen Biss in den Daumen ein, aber ließ mich davon nicht beirren. Schließlich beruhigte das Kätzchen sich, drückte den Kopf in den Hut. Und während die vordere Hälfte fauchte und zu kratzen versuchte, rührte sich hinten nichts. Gar nichts.

Kein Blut. Und scheinbar auch keine Schmerzen, zumindest zuckte es nirgends zusammen, als ich es vorsichtig abtastete. Harry hatte also nicht wirklich zugebissen. Der Verdacht lag nahe, dass es schon vorher verletzt wurde, vielleicht angefahren.

Und dass sein Rückrad verletzt war. Vielleicht gebrochen.

Wir fuhren zum Tierarzt, mein Vater und ich. Die ganze Zeit lag das Kätzchen im Hut auf meinem Schoß, und rührte sich kaum. Hob nur einmal den Kopf und fauchte mich entrüstet an, als ich husten musste. Ich streichelte es unentwegt. Sprach leise mit ihm. Versuchte ihm noch so viel Liebe und Güte zu geben, wie es geht, in den wohl letzten Minuten seines viel zu kurzen und wohl nicht allzu glücklichen Lebens.

Keiner von uns glaubte wirklich, dass der Gang zum Tierarzt mehr war als ein letzter Gnadenakt.

Ein junger Tierarzt, in Walchsee, der unsrige hatte Urlaub. Er tastete das Kätzchen ab, und bestätigte, was wir uns schon gedacht hatten: Rückrad wohl gebrochen, kaum eine Hoffnung, dass es sich davon noch einmal erholen könnte. Er ging sehr liebevoll mit dem Kätzchen um, das so verloren aussah auf dem großen metallenen Behandlungstisch, fauchte, ein wenig herum kroch. Es stand unter Schock, zitterte nun wie Espenlaub. Eine Betäubungsspritze, damit es einschlief. Es versuchte sich noch zu erbrechen, aber da war wohl schon längst nichts mehr im Magen. Wohl von der Mutter aufgegeben, nach dem, was auch immer sein Rückrad zertrümmert hatte.

Dann die zweite Spritze. Wie riesig diese Nadel ist, im Vergleich zu dem kleinen Körper.

Und wieder wollte es einfach nicht gehen, hielt sich krampfhaft am Leben fest, bis noch eine Spritze es endlich erlöste.

Gute Reise, kleines Kätzchen. Mehr Glück im nächsten Leben.

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Nightly Poem 26-08-09 (Das Mädchen in der Wand)

26. August 2009 um 22:02 Uhr

Prolog: Erstmal danke danke danke an alle, die bisher an der Umfrage teilgenommen haben. Finde das alles bisher sehr faszinierend, vor allem die 5! Heiratsanträge bisher… (hätte vielleicht dahinter schreiben sollen, “Bewerbung mit Foto an stefan@nachtpoet.de” *g*)

…und weil so viele von Euch anscheinend durchaus Vergnügen daran haben, ihre Meinung und Wertung kund zu tun, hab ich mir den Spaß gemacht, meine E-Cards (http://e-cards.nachtpoet.de) und alle Gedichte 2000-2007 (http://gedichte.nachtpoet.de) mit einem Wir-kennen-das-von-Amazon/Youtube-Sternebewerungssystem auszustatten. Wer mag, kann da seinen meist geliebten oder gehassten Werken von Yours Truely mit einem Klick eine Bewertung zwischen 1-10 Sternen verpassen… *neugierig lauer*

Aber jetzt, zum Gedicht, so taufrischneugeschrieben wie schon lange keins mehr:

Das Mädchen in der Wand

Manchmal, wenn mein müder Blick
die Realität nicht mehr halten kann,

dann sehe ich ihr Antliz
fein gezeichnet
im Malen nach Zahlen
an meiner Wand,

höre ihr Seufzen
sehnsüchtig knarzen
in den modernden
morschen Balken

spür ihren Atem
kalt gepresst
durch alle Ritzen
in meinem Nacken.

Da ist ein Mädchen
in meiner Wand.

So schön.
So traurig.
So einsam.

Schuldlos rein und
unerreichbar.
Unberührt
von dieser Welt.

Um sie zu wissen
befreit meine Seele.

In ihren Händen
versteinert mein Herz.

Epilog: Also, hochgeschätzter ZuLeser, wenn Dich dieses Gedicht verwirrt zurückgelassen hat und Du nun wie gewohnt hier im Epilog nach ein paar erklärenden Worten suchst, so muss ich Dir gestehen: Ich bin im Moment auch noch nicht klüger als Du. Komme gerade aus dem Auto, hab es dort wärend der Fahrt im Kopf geschrieben, und gerade eingetippt. Und es ist, nach langem mal wieder, ein Werk, von dem ich selbst nicht recht weiß, was es will. Ja, lieber ZuLeser, das passiert, es ist so, ich blicke manchmal wie durch Fenster wie in andere Welten und schreibe nur nieder, was ich dort beobachten darf. Was nicht heißt, dass ich es auch verstehe. Aber manchmal, da hat es einach was, wie auch in diesem Fall, und ich halte es fest, in Worten und Zeichen, so gut es geht.

Ich weiß, das bringt uns jetzt auch nicht weiter, aber hab ein wenig Geduld mit mir. Begleite mich doch ein Stück, vielleicht können wir ja gemeinsam ein wenig Licht in die Zeilen bringen.

Inspiriert hat mich ein Song, der mich seit meiner Jugend nicht mehr los lässt. “Woman in the Wall” von “The Beautiful South” (zum Anhören auf meinem Blip.fm-Profil). Genauer gesagt, zwei Zeilen daraus: “Cry freedom for the woman in the wall. Cry Freedom, for she has no voice at all.” Seit jeher hat mich dieses Bild fasziniert. Ein eigentlich morbides, diese eingemauerte Frau, aber es hat auch eine seltsame Romantik, findest Du nicht? Vielleicht ist es dieser Heldendrang in uns männlichen Wesen, der Wunsch, die “Damsel in Distress” zu retten, das Mädchen aus der Wand zu befreien. Einmal der Held in schimmernder Rüstung hoch auf dem weißen Ross sein… wobei so eine Rüstung wahrscheinlich furchtbar unbequem ist, und unpraktisch in romantischen Belangen, aber ich schweife ab…

Das Mädchen in der Wand. Sie ist etwas reines, unschuldiges, unberührtes, auf ewig erstarrt im Mauerwerk, konserviert im Augenblick. Sie ist, ja, gewissermaßen der Traum von einem Mädchen, die Vorstellung der Perfektion, die nur bestehen kann, so lange nichts sie erreicht, sie unberührt und ungeprüft bleibt. Perfekt versteckt an einem Ort, wo nichts sie finden kann, fernab der Welt, der Realität.

Vielleicht haben wir sie selbst dort eingemauert, einen Traum, den wir verloren, als wir auhörten, selbst unschuldig naiv zu sein. Den wir meuchelten, für das erreichbare, das machbare, das realistische. An den wir uns nur dann erinnern, wenn wir zu müde sind, um realistisch zu bleiben, wenn das Land der Träume und lockt und verührt und mit an die Grenze nimmt, wo Wach und Schlaf sich treffen und all die verlorenen Träume ihr Dasein fristen. Der uns seltsam beflügelt, wenn wir ihm nach so langer Zeit wieder begegnen, und zugleich das Herz versteinert, wenn ihm klar wird, was es nie finden wird.

Oder, hm. Vielleicht ist das Mädchen in der Wand auch eine Variation vom Mädchen im Turm. Jene Menschen, die nichts an sich heran lassen, eine Mauer um sich bauen aus Unnahbarkeit, ihr Wesen so gut es geht verbergen, aus Angst, erkannt und dann nicht gemocht zu werden. Die sich selbst nicht genügen und deshalb glauben, tief in sich drin, dass sie auch keinem anderen genügen können. Und deshalb jedem das Gefühl vermitteln, ER könnte IHR nicht genügen, niemals, es ist, als renne man sich den emotionalen Kopf an einer Wand aus Desinteresse ein. Und wie wir rennen, gegen die Wand, weil, nun, Unnahbarkeit eine geradezu obzöne Faszination ausübt. Und, so eine Wand, die bietet natürlich die perfekte Projektionsfläche, für unsere Wünsche und Sehnsüchte und Träume un Vorstellungen. Sie zeigt ja nichts von sich aus. Und so sehen wir in ihr das, was wir wollen, wirklich wollen, und sie fühlt sich begehrt, und gemocht, und kann gerade deshalb die Wand nicht einreißen, denn dann sähen wir ja das wahre Mädchen in der Wand, und nicht mehr unsere Traumvorstellung.

Vielleicht ein wenig von beidem. Vielleicht noch viel mehr. Vielleicht etwas ganz anderes. Vielleicht verstehe ich es selbst erst in ein paar Jahren, wenn ich alle Mädchen aus meinen Wänden befreit oder vertrieben habe. So ist das, mit solchen Gedichten. Deshalb mag ich die besonders, ab und an.

May the Night bless You

Der NachtPoet
Stefan Brinkmann

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Nightly Poem 23-08-09 (Frag nicht nach Liebe)

23. August 2009 um 12:11 Uhr

Prolog: Erstmal Danke an alle, die an meiner Umfrage teilgenommen haben. Ein paar meiner ersten Eindrücke findet Ihr in meinem Blog, welches gleich auch mal wieder eine neue, vereinfachte Optik hat und in Zukunft von mir vielleicht wieder mehr genutzt wird. (Und wer seine Meinung noch nicht kund getan hat, kann gerne noch HIER). Die sehr positive Resonanz hat mich doch gleich zu einem neuen Gedicht inspiriert 8^) (Merke: Wer will, dass der NachtPoet mehr schreibt, sollte ihm hin und wieder etwas Feedback gönnen *g*)

… und weil ich das neue Mailing-System noch ein wenig testen möchte, heute gleich ein neues Nightly, diesmal mit Gedicht im Bild (und als E-Card, einfach drauf klicken):

Gedicht

Epilog: Mein Gruß und Dank an dieser Stelle erstmal an ein zauberhaftes Wesen, deren Gedicht mich zu diesem inspiriert hat 8^)

Hach, die Liebe. Ein schier unerschöpfliches Thema. Es ist so leicht, zu lieben. Und so schwer, sich dabei nicht wie ein kompletter Idiot aufzuführen… aber das schöne ist, wenn wir lieben, und geliebt werden, dann wird aus dem navien Narren, dem trotteligen Tölpel, ein charismatischer Chameur. Wenn wir lieben, und geliebt werden, dann können wir gar nichts falsch machen, dann tanzen wir auf Wolken und spielen mit den Schatten, dann ist alles wahr, und richtig, und selbst die kleinen Reibereien und Rempler, die durch plötzliche Nähe fast unweigerlich entstehen, sind doch nur ein weiterer Stolperstein, der uns in die Glücksehligkeit taumeln lässt.

Ja, Lieben, gerade im Verliebt sein, ist unglaublich toll. Und da wollen wir hin, um jeden Preis, wollen das nicht missen, wollen das JETZT, sofort, nicht morgen, heute, nein, gestern, wenns geht.

Und ich sehe, wie die Menschen diesem großen L nachjagen, wie wahnsinnig, sich auf alles stürzen, was halbwegs danach aussieht, mit ganzem Gewicht ihrer großen Herzen, es erdrücken mit Erwartungen und Sehnsüchten und Gier nach mehr, nach all dem, was ihnen fehlt und sie nicht in sich selbst finden und doch brauchen, so sehr.

Dabei sind es die kleinen Dinge, die zumindest für mich das Lieben und Verlieben wirklich ausmachen. Den anderen Entdecken, zum ersten mal sein Wesen erfassen, ja, berühren. Etwas in ihm zum Klingen bringen, und in sich selbst. Gemeinsam Lachen, und Weinen, und Staunen, über die Welt, neu entdeckt durch die Augen des anderen. Ja, was für mich wirklich zählt, ist nicht das Lieben, sondern der geliebte Mensch. Sein Wesen.

Und deshalb fällt es mir so schwer, einfach so zu Lieben. Das Gefühl eben mal auf irgendwen zu projezieren, einfach nur, um es zu haben. So toll das ist, für den Augenblick, ist es doch nur fahler Schein im Gegensatz zu dem, was wirklich sein kann, wenn zwei Seelen sich wahrhaft begegnen. Sich sehen. Und Annehmen. Und, ja, Lieben, für das, was sie sind, allein und im Duett.

Und diese Liebe lässt sich nicht erzwingen. Sie kommt, wenn es Zeit ist, oft unerwartet, wie aus dem Nichts. Sie kommt, gerade dann, wenn wir loslassen, wenn wir für den Moment, in uns, zur Ruhe kommen. Und nicht jeden Schmetterling im Herzen gleich zum Tornado hochjagen. Wenn wir einfach das sehen, und annehmen, was ist. Und es mit kindlicher Begeisterung erforschen, entdecken, und manchmal gar nicht gleich verstehen. Bis es uns übermannt, und mit sich reißt, auf diese magische Reise.

…und für alle Prolog-Überspringer: NachtPoet neugierig, macht gerade kleine Umfrage. Mach doch kurz mit, hm? 8^)

Neugieriger NachtPoet – Umfrage

May the Night bless You

Der NachtPoet
Stefan Brinkmann

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